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Neuer Artikel: Die Bundestraße und die Gesundheit

Erholsame Ruhe und gesunde Luft – bald nur noch Schall und Rauch?

Die Umwelt als wichtige Ressource menschlicher Gesundheit und mögliche Auswirkungen der Trasse B 87 n (Fulda - Meiningen) auf unser Wohlbefinden

-Einleitung
-Luftqualität und Gesundheit
-Feinstaub
-Gesundheitliche Folgen von Feinstaub
-Umweltverschmutzung und Krebs
-Ozonbelastung in der Rhön
-Psychische Befindlichkeit

-Literaturliste

Einleitung

Der Wunsch nach Gesundheit steht bei fast allen Menschen an erster Stelle. Es gehört zu den Aufgaben des Staates, dieses hohe Gut seiner Bürger zu schützen.
Die Umweltverträglichkeitsprüfung für die Trasse B87n ist so gut wie abgeschlossen, doch wer bewertet die Gesundheitsverträglichkeit des Vorhabens?
Zwar fordert und fördert die Weltgesundheitsorganisation seit einigen Jahren eine Gesundheitsverträglichkeitsprüfung als Werkzeug für politische Entscheidungen, jedoch hat sich dieses Verfahren noch nicht durchgesetzt.
Auch im Fall der Trasse Fulda-Meiningen wird keine spezielle Prüfung durchgeführt. Doch lassen sich gesundheitliche Konsequenzen nach vorhandenem Wissen und Erfahrungswerten abschätzen, wobei berücksichtigt werden muss, dass Gesundheit durch vielerlei Faktoren wie persönliches Gesundheitsverhalten, medizinische Versorgung und biologische und genetische Gegebenheiten beeinflusst wird. Aber einige Erkenntnisse gelten als gesichert. So wird von den Auswirkungen des Straßenverkehrs die Luftverschmutzung als das bei weitem größte Problem angesehen. Hinzu kommt als belastender Faktor der Lärm. Auch Änderungen der Lebens- und Wohnqualität nehmen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden.
Die Belastungen äußern sich sowohl physisch als auch psychisch.

Luftqualität und Gesundheit

Der Straßenverkehr ist laut Umweltlexikon das Umweltproblem Nummer eins. Da sich das Ausmaß der Luftverunreinigungen durch das steigende Verkehrsaufkommen ständig erhöht, werden immer mehr giftige Abgase freigesetzt.
Dabei werden bekannte Umweltgifte (Blei, Ruß, Cadmium) frei, die Boden, Luft und Gewässer belasten und somit auch auf die Menschen einwirken:
Herz-, Gefäß- und Atemwegserkrankungen werden im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung als Risiko benannt.

Feinstaub

In der Gesundheitsberichterstattung 2006 des Statistischen Bundesamtes wird beschrieben, dass sich die Luftqualität zwar in den letzten zwei Jahrzehnten durch politische Maßnahmen verbessert hat, aber vor allem verkehrsbelastete Gebiete weiterhin durch Feinstaubpartikel belastet bleiben und so Atemwegs- und Herz- Kreislaufleiden begünstigt werden.
Feinstaub entsteht im Straßenverkehr im Wesentlichen durch Verbrennung von Diesel-Kraftstoff, aber auch durch Abrieb von Bremsen, Autoreifen und Straßenbelag. 51 Prozent des Feinstaubes in der Luft waren 2002 auf den Straßenverkehr zurückzuführen (26 Prozent durch Abgase, 25 Prozent durch Abrieb).
In ländlichen Gegenden liegt der durchschnittliche Wert bei 10 bis 18 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, aber in der Nähe stark befahrener Straßen erreicht er Spitzenwerte von 70 bis 150 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zum Vergleich: In Fulda wurde 2006 der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft an 24 Tagen verletzt (ein für hessische Städte durchschnittlicher Wert).
Der Stadt Würzburg ist es durch Einschränkung des Transitverkehrs gelungen, die Feinstaubbelastung zu senken. Während also anderswo an Verkehrsverringerungen gearbeitet wird, sind wir dabei, uns mit der geplanten B87n ein Feinstaubproblem zu schaffen.

Gesundheitliche Folgen durch Feinstaub

Ob Feinstaub-Partikel sich gesundheitlich auswirken, hängt davon ab, wo sie im Atemtrakt abgeschieden werden. Im Tierversuch wurden ultrafeine Teile sogar in Leber, Herz und Gehirn gefunden.
Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat 2004 eine umfassende Bewertung von Feinstäuben vorgelegt. Gesundheitliche Auswirkungen haben sie vor allem auf Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegsproblemen. Neben ihnen sind Ältere und Kinder als empfindliche Gruppe anzusehen. Aktuell hat auf dieses Risiko das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (Neuherberg) hingewiesen (siehe Fuldaer Zeitung vom 28. Juli 2007, S. 5). Eine deutsch-französische Studie zeigt auf, dass Feinstaubbelastung während einer Schwangerschaft auch Auswirkungen auf das Geburtsgewicht des Kindes hat (Fuldaer Zeitung vom 30. Juli 2007, S.5).


Neuere Studien weisen darauf hin, dass es genetisch vorbelastete Bevölkerungsgruppen geben könnte, die auf Feinstaub stärker reagieren.
Bereits nach kurzer Zeit des Kontaktes mit hohen Feinstaub-Werten steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegsprobleme an. Auf längere Sicht kommt ein Lungenkrebs-Risiko hinzu. Der Verlust der Lebenserwartung in der Bevölkerung wird mit der Größenordnung eines Jahres angegeben, wobei vorbelasteten Personen und Menschen an verkehrsreichen Wohnorten noch frühere Sterblichkeit droht.

Kinder, die näher als 500 Meter an einer großen Straße wohnen, haben einer Studie zufolge als Erwachsene größere Defizite in der Lungenfunktion.  (Info: 3sat)

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Umweltverschmutzung und Krebs

Der Kontakt des Menschen mit Schadstoffen erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Bereits 1981 wies der Sachverständigenrat für Umweltfragen im Sondergutachten Umwelt und Gesundheit auf ein erhöhtes Krebsrisiko aufgrund von Luft- und Wasserverschmutzung hin und bezifferte deren relativen Anteil an den Krankheitsursachen damals auf zwei Prozent. Dies klingt vernachlässigbar, doch muss man sich die absoluten Zahlen vor Augen halten: So wird in Deutschland jeder vierte Todesfall durch Krebs verursacht, bei Kindern ist es sogar die zweithäufigste Ursache.

Allergien

Ebenso kann von einem Zusammenhang zwischen der Verkehrsbelastung und einem Anstieg von Allergien in Deutschland ausgegangen werden.
In Münster und Bochum durchgeführte Studien berichten über einen Zusammenhang zwischen Lastwagenverkehr in der Wohnumgebung und allergischen Symptomen. Auch wurde von Assoziationen mit Asthma berichtet.
Luftverunreinigungen gelten deshalb als allergiefördernd, weil Pollen an Ruß länger haften bleiben.

Ozonbelastung in der Rhön

Bereits jetzt stellen hohe Ozonwerte in der Rhön ein Problem dar. 2006 wurde auf der Wasserkuppe der Richtwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft an 61 Tagen überschritten. An keinem anderen deutschen Ort lagen die Ozonwerte öfter so hoch wie dort. Schuld daran ist nach Auskunft von Berndt Kahra von der Immissionsabteilung des Bundesumweltamts in Dessau vor allem der Straßenverkehr im Rhein-Main-Gebiet (Fuldaer Zeitung vom 5. Januar 2007).
In Verbindung mit der Trasse bedeutet das, dass chemisch gesehen mit einer Verschlechterung der Luftqualität der Ozonlevel in der Rhön sinken könnte. Denn nachts, wenn die Sonne nicht scheint, wird unter Kohlendioxid-Zufuhr (enthalten in Fahrzeug-Abgasen) Ozon abgebaut. Global betrachtet jedoch heißt das nichts weiter, als dass auch unsere Region zu einem allgemeinen Ozonanstieg beitragen würde.

Psychische Befindlichkeit

Was der typische Rhöner Humor mit der Trasse zu tun hat? Den Anwohnern entlang der Straße könnte mit deren Bau das Lachen vergehen. Aus den frühen siebziger Jahren stammen erste Hinweise auf Befindlichkeitsstörungen unter Schadstoffen. An Smogtagen gaben z. B. bis zu 30 Prozent der Befragten Niedergeschlagenheit, Verwirrtheit und generelles Unwohlsein an.
Ein weiterer Hinweis auf Befindlichkeitsstörung und Luftverunreinigung stammt aus Studien, bei denen über eine Zunahme psychiatrischer Notfalldiagnosen bei erhöhten Stickoxid-, Schwefeloxid- und Partikelkonzentrationen berichtet wurde.
In einer Studie, bei der sich direkt mit Befindlichkeitsveränderungen unter Luftschadstoffeinfluss befasst wurde, empfanden Frauen in höher belasteten Wohngebieten die Luftqualität negativer, sich selbst als stärker belastet, in ihrem täglichen Verhalten stärker eingeschränkt und in ihrer Stimmung eher beeinträchtigt als Frauen in weniger belasteten Gebieten.

Lärm

Ein weiterer Punkt zum Thema gesundheitliche Auswirkungen durch Straßenverkehr ist der Faktor Lärmemission. Wegen der Wichtigkeit finden Sie Informationen dazu in einem eigenen Beitrag (Lärm und Lärmschutz/"Aus und vorbei mit der Ruhe").

Noch eine Anmerkung zu der Auswirkung durch die Kombination von Kfz-bedingten Luftschadstoffen und Verkehrslärm. Diese kann laut  Literaturrecherche bei Kindern langfristig zu einer dosisabhängigen Häufung von chronischen Haut- und Atemwegserkrankungen sowie von Verhaltensstörungen (z. B. Unruhe) führen.

 

Das Argument der Trassenbefürworter, dass die B87n für die junge Generation wichtig sei, um Mobilität zu ermöglichen, blendet die Perspektive einer gesunden Lebensqualität vollständig aus. Auf Kosten der Gesundheit der Anwohner und ohne Rücksicht auf lebensnotwendige Umweltressourcen sollen wirtschaftliche Interessen durchgesetzt werden. Dabei konnte der wirtschaftliche Nutzen für unsere Region bislang nicht belegt werden.

Vielleicht bestünde der Vorteil für die Generation, die mit der B87n in ihrem Lebensumfeld aufwüchse, darin, dass sie auf schnellerem Weg  zum Allergologen nach Fulda gelangen könnte (dessen Behandlung sie ohne B87n gar nicht benötigte...)?!

 

Literaturliste

Bosse; Leck (1985). Umweltlexikon. Köln: Kiepenhauer & Witsch.
Bullinger, M.; Guski, R. (1997). Befindlichkeitsstörung durch Umweltbelastungen - Gegenstand gesundheitswissenschaftlicher Forschung. In: Bullinger, M.; Laaser, U.; Murza; G. (Hrsg.), Zeitschrift für Gesundheitswissenschaften. Journal of Public Health. Umwelt und Gesundheit. (S. 49- 66). Weinheim: Juventa.
Eulers, H. (2005). Umweltgerechtigkeit. Integratives Paradigma der Gesundheits- und Sozialwissenschaften (14/2005). Leipzig: Umweltforschungszentrum. Department Stadt- und Umweltsoziologie.
Europäische Kommission (2006). Gesunde Menschen in einer gesunden Umwelt. Umwelteinflüsse auf die Gesundheit: besserer Schutz durch besseres Verständnis. Luxemburg: Amt für Amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften.
Robert Koch- Institut (Hrsg.) (2006). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gesundheit in Deutschland. Robert Koch- Institut: Berlin.
Sachverständigenrat für Umweltfragen (1999). Umwelt und Gesundheit. Risiken richtig einschätzen. Sondergutachten. Stuttgart: Metzler - Poeschel.
Sachverständigenrat für Umweltfragen (2004). Umweltgutachten. Neue gesundheitsbezogene Risiken. Berlin: Deutscher Bundestag.
Umweltbundesamt (2007). www.umweltbundesamt.de. (20.04.2007).
World Health Organization (2007). Regional Office for European Health Impact Assessment methods and strategies. www. euro.who.int/healthimpact (19.12.2006).

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  • Bürgerinitiative "Alternative B87" Widerstand gegen die B87n
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