Keine Zerschneidung des Biosphärenreservats Rhön | fulda-meiningen.de

Lebensquelle Wasser

Die Rhön wird auch als das „Land der tausend Bäche und Quellen“ bezeichnet. Unzählige sprudelnde Quellbäche durchziehen die Rhön in allen Himmelsrichtungen.

Die geplante B 87 n ist in diesem Zusammenhang in zweierlei Hinsicht problematisch. Die Trasse verläuft nicht entlang der Täler, wie z.B. die
L 278, sondern quert die Höhenzüge der Kuppenrhön auf einer Länge von ca. 60 km. Neben zahleichen Einschnitten stellt die Tunnelung des Weidbergs den stärksten Eingriff in die natürliche Topographie dar.

Zahlreiche unterirdische Wasserläufe werden dadurch zerschnitten und so vom eng vernetzten Fließsystem abgetrennt. Entlang der Trasse werden außerdem Schadstoffe wie Rußpartikel, Reifen- und Bremsenabrieb in die Grünflächen und Wasserläufe eingetragen. Im Winter kommt noch die Belastung durch Streusalze hinzu.

Auftausalze schädigen den Boden, Bäume und Sträucher, aber auch
Fische und Fischnährtiere in Gewässern. Brücken und Fahrzeuge
korrodieren. Dies bedingt erhebliche Folgekosten für Reparaturen, Sanierungen und Neuanpflanzungen.

Das häufigste in Deutschland verwendete Streusalz ist Natriumchlorid (NaCl). Daneben werden in Europa als Auftausalze Calciumchlorid (CaCl2) und Magnesiumchlorid (MgCl2) im Winterdienst eingesetzt.

Auswirkungen auf die Umwelt

Auf die Fahrbahn ausgebrachtes Streusalz bildet ein Gemisch mit Eis und Schnee. Ein Teil des Salzes geht in Lösung und wird mit dem von der Straße abfließenden Schmelzwasser über die Abflußsysteme der Straße in die Oberflächengewässer befördert; dadurch wird es verdünnt. Wieviel NaCl-haltiges Schmelzwasser in den bepflanzten Straßenrandbereich gelangt, hängt vom Ausbau bzw. der Effektivität der Entwässerungseinrichtungen ab.

Etwa 40 % der ausgebrachten Salzmengen werden mit dem Schmelzwasser in die Straßenrandböden verfrachtet. Nach der Bodenpassage und Sorptionsvorgängen im Boden gelangt das Salz entweder ins Grundwasser oder in den Vorfluter des Abflußsystems.
Ein anderer Teil des Salzes erreicht über Spritzwasser ( Verkehrsgischt) den Straßenrandbereich.

Der Einsatz von Streusalz kann zur Verschlämmung und Verdichtung der Straßenrandböden führen. Der Boden wird nicht mehr ausreichend durchlüftet und die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und zu speichern, wird gestört.

Straßenrandböden sind generell ungünstige Substrate für Pflanzen. Diese sind hier in ihrer Vitalität beeinträchtigt und nicht mehr in der Lage, ihre volle physiologische Leistungsfähigkeit zu entfalten. Dadurch können sie sich von der zusätzlichen Belastung, die durch die winterliche Salzzufuhr entsteht, während der Vegetationszeit nicht selbständig regenerieren.

Planzen können Natrium und Chlorid in begrenzter Menge aufnehmen, ohne Schadsymptome zu zeigen. Durch hohe Salzzufuhr wird jedoch der Nährstoffhaushalt der Pflanzen gestört. Man unterscheidet direkte Vegetationsschäden durch Verspritzen der Salzlösung auf die Pflanze durch den Verkehr (Salz-Aerosole), sowie indirekte Schäden durch die Versalzung des Bodens. Bei direktem Kontakt der oberirdischen Pflanzenteile mit der Salzlösung zeigen sich durch das Überangebot an Natrium und Chlorid osmotisch bedingte Ätz- und Verbrennungsschäden. Die Ursachen der indirekten Schädigungen durch Streusalz sind in der Anreicherung von Natriumionen und Auswaschung von Nährstoffen zu sehen.

Schutzgut Wasser

Für den Wasserhaushalt der Rhöner Landschaft haben diese Bäche und Quellen unschätzbaren Wert. Sie stehen in enger Wechselwirkung mit ihrer Umgebung. Quellen, die Tore zur Unterwelt, sind ein wenig erforschter aber wertvoller Lebensraum. Erst seit wenigen Jahren werden sie intensiver untersucht und auch heute noch werden ständig neue entdeckt. 2005 hat das Biosphärenreservat Rhön in seinen Kernzonen eine Untersuchung und Kartierung von 100 Quellen veranlasst.

Die Ergebnisse wurden von Stefan Zaenker, dem Vorsitzenden des Landesverbandes für Höhlen und Karstforschung Hessen e.V. vorgestellt: "In Rhöner Quellen pulsiert das Leben".

Winzige Tiere wie Wassermilben, Muschelkrebse, Höhlenflohkrebse, Vierkantköcherfliege, Schmetterlingsmücke oder auch die Tanzfliege besiedeln die Quellen. Faszinierend für die Wissenschaftler sind auch die Pilzmücken. Hier wurden in den letzten Jahren 45 neue Arten für Hessen entdeckt, 3 davon erstmalig für Deutschland bestimmt und 9 Arten in der Rhön erstmalig nachgewiesen. Der Quellbereich ist auch der Lebensraum der Quelljungfer, unserer größten heimischen Libelle.

Deren Larven benötigen bis zu 5 Jahre, bis sie sich in den nährstoffarmen Waldquellen entwickelt haben.

 

Wie die nachstehende Karte zeigt, befinden sich auch die oberirdischen Fließgewässer der Rhön (noch) überwiegend in sehr guten Zustand.

 

(Grafik: RP-Kassel)

 

Die Ulster ist im Biosphärenreservat Rhön das größte Fließgewässer. Ihr gesamtes Flußsystem wird verschiedentlich als besonders schutzwürdiger Bereich angesehen. Sie überwindet von ihrer Quelle südlich Ehrenberg-Wüstensachsen - etwa 25 km östlich von Fulda - in 815 m üb. NN bis zur Mündung bei Philippstal in die Werra eine Höhendifferenz von 590 m und umfasst fischereibiologisch die Abfolge von der Forellenregion zur Äschenregion mit einer noch weitgehend intakten Fauna.

Nachgewiesen wurden 16 Arten, davon 14 ausgesprochene Fließgewässer-Bewohner. Bachneunauge, Äsche, Bachforelle , Barbe, Bachschmerle , Elritze , Schneider und Groppe sind gefährdete Arten.

(Quelle: Rhön im Fluß)

 

Weitere Infos über Wasser, unserer wichtigsten Ressource:

Im Wasser liegt der Ursprung allen Lebens, ohne Wasser wäre kein Leben auf der Erde möglich. Es bestimmt als Reaktionsmedium mit seinen speziellen und einzigartigen Eigenschaften alle biochemischen und physiologischen Vorgänge.


Wasserstoff und Sauerstoff. Aus diesen beiden chemischen Elementen besteht Wasser. Wasser hat die Formel H2O. Das bedeutet, dass jeweils zwei Teile Wasserstoff mit einem Teil Sauerstoff gebunden sind.

Doch Wasser ist weit mehr als eine simple chemische Verbindung. Wohl eher die erstaunlichste Substanz, mit der wir es zu tun haben! Tausend Eigenschaften besitzt Wasser. Nicht nur in flüssiger Form, sondern auch als Dampf - oder in Gestalt von Eis. Nichts gibt es in unserem Leben, wobei Wasser nicht eine entscheidende Rolle spielt. Wegen seiner besonderen Eigenschaften ist Wasser das wichtigste Löse- und Transportmittel für Nährstoffe, Salze und Gase. Das macht es unerlässlich für die Ausgewogenheit der biochemischen Abläufe in Lebewesen. Das gilt auch für die Abläufe innerhalb der Erdatmosphäre. Wasser ist der wichtigste Steuerungsfaktor unseres Erdklimas, indem es für Wärme und Kühlung sorgt. Wasser bedeckt zwar mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche, doch der weitaus größte Teil ist Salzwasser, das ohne Aufbereitung für den Menschen nicht nutzbar ist. Der Süßwasseranteil ist zu einem großen Teil im Eis der Polarzonen, in Gletschern und in der Atmosphäre gebunden, zudem wird ein wesentlicher Anteil hiervon von der Pflanzen- und Tierwelt benötigt.


Für den Menschen sind lediglich ein Prozent des Süßwassers und damit 0,007 Prozent des weltweiten Wasservorkommens unmittelbar zugänglich.

Berechnungen der Vereinten Nationen zufolge werden sich im Jahr 2050 über neun Milliarden Menschen das Süßwasser der Erde teilen müssen. Mehr als eine Milliarde Menschen hat überhaupt keinen Zugang zu einer sicheren Wasserversorgung. Angesichts der globalen Verknappung und dem steigendem Verbrauch stehen Politik und Wirtschaft im Wassersektor vor beachtlichen Herausforderungen.

(Grafik: UNESCO)

Die Wasserversorgung ist die Schlüsselaufgabe des 21. Jahrhunderts.

 

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